16. August 2007
Kurz vor seiner Blogfreien Urlaubszeit wies Klaus Eck mich noch auf einen Artikel im Maiheft von brand eins hin: Große Freiheit. In dem Artikel geht es um die neue Arbeitsform ROWE ("Results-Only Work Environment"), die seit 2003 bei Best Buy eingeführt wird. Heute sitze ich vor dem Artikel und lese, lese, lese ... Danke für den Tipp, Klaus, so würde ich gerne arbeiten
Best Buy ist ein amerikanisches Unternehmen mit über 120.000 Mitarbeitern und verkauft Elektronikartikel wie Computer, Software, DVDs und Kameras.
Und ROWE? Nicht die Anwesenheit sondern das Ergebnis zählt, nicht wann und nicht wo. Acht-Stunden-Tag? Egal! Berufsverkehr? Egal! Freizeit? Ja, aber nicht unbedingt am Wochenende. Wie das aussehen kann, das zeigt bereits der erste Absatz:
- An diesem Montag wird Dawn Paulson wohl schon um 14 Uhr nach Hause fahren und ein paar Besprechungen verpassen. Stattdessen wird die 30-jährige Mitarbeiterin der amerikanischen Elektronikkette Best Buy ihren Hund ausführen und sich später von zu Hause oder aus einem Café ins Büronetz einloggen. Wie die zwei folgenden Arbeitstage aussehen, wisse sie noch nicht, sagt Paulson. Nur so viel stehe fest: Am Donnerstag werde sie für ein langes Wochenende zu ihren Schwiegereltern fahren, Laptop und Blackberry im Gepäck, um bei E-Mails und Telefonaten nicht den Anschluss zu verlieren. Wie viele Stunden sie in dieser Woche arbeiten wird? "Keine Ahnung, ist mir auch egal", antwortet Dawn Paulson.
Anlass für die Veränderungen war die hohe Mitarbeiterfluktuation. Innerhalb eines Jahres war die Belegschaft von Filialen komplett ausgetauscht. Das führte zu hohen Kosten, Unruhe und Unzufriedenheit. Die Firmenleitung ging der Ursache auf den Grund: Das Arbeitsklima. Nicht Karriere und Moneten waren der primäre Motivationsgrund für Mitarbeiter, sondern es war das "Wohlfühlen". Ich würde sagen: Die Unternehmenskultur 
Das große Umdenken begann 2003, als Best Buy eine Umfrage in seiner Belegschaft startete, um herauszufinden, wie es seine Entlohnungs- und Bonusstruktur verändern müsste, um zum beliebtesten Arbeitgeber der Branche zu werden. Die Antworten von 22 000 Mitarbeitern machten deutlich, dass für viele der Angestellten die Bezahlung keineswegs an erster Stelle steht. Ihnen kommt es auf die richtige Balance aus Arbeit und Privatleben an sowie auf Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln und mobil zu sein.
Jetzt gibt es keine Anwesenheitspflicht und keine Besprechungsmarathons. Zunächst stieg die Anzahl der Emails an, weil jeder noch bestrebt war zu zeigen und zu beweisen, dass er tatsächlich produktiv sei und arbeite. Inzwischen sind die meisten Abteilungen in der Zentrale auf die neue Arbeitsweise umgestellt, und muss jeder muss sich und seine Arbeit selbst organisieren. Abstimmen, Koordinieren, Termine planen, Aufgaben weitergeben.
Die große Freiheit und ihre Herausforderungen
Schluss mit den Schuldgefühlen, wenn man nachmittags mal schnell zum Einkaufen fährt. Oder im Café sitzt und seine Emails erledigt. Die neue große Freiheit muss gelernt werden. Andererseits muss das Lernen auch den Umgang mit der quasi-ständigen Erreichbarkeit beinhalten. Die Grenzen zwischen Arbeit und Privat fließen. Mitarbeiter müssen sich ihren Arbeitsalltag und ihr Privatleben selbst einrichten und "managen". Workaholics wird es zunehmend auch in unteren Einkommensregionen geben. Wenn man nicht Grenzen zieht und sich selbst beschränkt, dann kann dies problematisch werden. Jeder muss seine Arbeit organisieren und nicht mehr nur einfach im Büro sein und Stapel abarbeiten. Aber jeder muss auch das Ende und die Pausen der Arbeit organisieren.
Und die Umstellung in Filialen beginnt dieses Jahr erstmals mit zwei Pilotfilialen. Ein Verkäufer kann nicht einfach kommen oder gehen.
Nachfrage
Die beiden Frauen Jody Thompson und Cali Ressler, die die Umstrukturierung des Unternehmens in die Wege leiteten, haben inzwischen ein eigenes Unternehmen gegründet. Andere Unternehmen aus anderen Ländern haben bereits ihr Interesse an ROWE bekundet. Aus Deutschland ist noch kein Unternehmen dabei.
Damals
Andererseits durften ein Kollege und ich vor etwa 10 Jahren bereits zur Vorbereitung einer Ausschreibung und als "Denkfabrik" einige Tage komplett raus aus dem Unternehmen. Zuhause, auf dem Balkon und im Café brüteten wir und formulierten Ideen. Später, im Projekt bei der Umsetzung, waren wir die Hälfte der Woche in einer Villa in Wiesbaden beim Auftragnehmer. Kein Stechen an einer Uhr, das Ergebnis zählte. Zugegeben, das Ergebnis hätte besser sein können. Aber auch viel schlechter.
Es war dasselbe Unternehmen, in dem Geschäftsführer noch ihre Emails ausdrucken ließen. Wo Schatten ist, da ist auch Licht 
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Datum: 19. Oktober 2008, 12:53
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Datum: 14. August 2008, 08:37
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Datum: 14. November 2007, 13:13
Auszug: Über Brandeins bin ich auf ein interessantes Konzept names ROWE gestossen: Angestellte können selbst entscheiden, wo und wann sie arbeiten. Es gibt keine Anwesenheitspflicht mehr. Der Mitarbeiter wird ausschliesslich am Ergebnis gemessen. Die Firma ...
Datum: 25. September 2007, 16:45
Wow
ROWE - na wenn es jetzt sogar schon einen Namen dafür gibt, dann besteht ja Hoffnung. Ein echter Lichtblick in dem tristen Unternehmens- und Politikgesülze.
Es ist ein Teil von dem, das in meinen gedanklichen Argumenten die adäquate Entwicklung in der sog. globalisierten Welt wäre:
- Demokratisierung der Unternehmenskultur.
- inspirierte Mitarbeiter und keine "Ja-Sager", die ausschließlich nur aus pekuniären Gründen einer Arbeit nachgehen
- Mitarbeiter vermieten nicht "ihre Zeit" in der man versucht, so viel wie möglich aus ihnen "rauszuholen", sondern sind wichtigstes immaterielles Kapital einer Organisation.
- Abschied vom industriellen Verständnis von
(Massen)-Produktion > Arbeit > Wachstum (der materiellen Masse)
Ein langer Weg, aber hin und wieder gibt es ja doch - wie obiger Artikel zeigt - schöne Ansatzpunkte.
geschrieben von Gerald | 16. August 2007, 12:55Interessant. Ich war vor kurzem in einem Best Buy-Markt (in Toronto), und empfand das damals schon als Wohltat im Vergleich zu hiesigen geilen Elektronikmärkten. Sauber, übersichtlich, und freundliches Personal, das sich auch von der zeitgleich anwesenden argentinischen U 20-Fußballnationalmannschaft nicht aus der Ruhe bringen ließ ;O) Ich hab das damals noch abgetan mit der allgemein größeren Freundlichkeit Kunden gegenüber; aber wenn's denn an ROWE lag ... auch gut.
geschrieben von Matthias | 16. August 2007, 20:13Kein Kapital
Mitarbeiter sind eben kein Kapital, sondern Menschen. Und wenn man entsprechend mit Menschen umgeht und mit ihnen spricht, dann trifft das weit eher auf eine positive Haltung.
Genauso, wie ich als Kunde durch unfreundliche Verkäufer abgeschreckt bin und den Laden wechsle (falls ich eine Alternative habe), so achte ich eben auch auf das Verhalten von Führungskräften.
Als 46-jähriger bin ich natürlich sehr gespannt, wie sich das Thema ROWE oder Mitarbeiterführung bzw. Unternehmenskultur angesichts der Altersentwicklung in Deutschland entwickelt ;-)
geschrieben von Frank Hamm | 17. August 2007, 07:03


