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8. Juni 2007

Im Internet Briefing Blog entwickelt sich zum Artikel "Können Web 2.0 Technologien das Intranet zu neuem Leben erwecken" eine lebhafte Kommentar-Diskussion. Aktuell geht es um die Frage, wie ein Wiki im Intranet wirklich angenommen wird. Anlass für mich, die Diskussion aufzugreifen und eigene Gedanken zu notieren (hier, weil sie zu lange für einen Kommentar sind).

Wiki-Syntax 

Ich selbst wollte es zunächst nicht wahrnehmen: Die als einfach gerühmte Wiki-Syntax ist zu kompliziert. Für mich ist sie ganz einfach, egal welches Wiki ich benutze. Aber die Wiki-Syntax ist für viele Mitarbeiter wirklich ein Stolperstein - selbst bei vielen IT'lern oder IT-affinen Benutzern.

Die Frage "Kann ich da nicht wie mit Word schreiben?" wird nie verhallen. Tatsächlich ist diese Frage nicht neu, es gibt sie schon lange auch bei Autoren in Content Management Systemen.

Deswegen meine Kapitulation: Word-alike for the people! 

Muss-Kriterien (Technik) 

Ein Wiki ist ein Muss für bestimmte Anwendungen (z.B. Projektarbeit, Glossare) bei dem Relaunch eines Intranets. Die genauen Anforderungen hängen dabei vom jeweiligen Unternehmen ab. Es gibt aber zwei Punkte, die auf jeden Fall sein müssen:

  1. WYSIWYG-Editor
    Einfaches und schnelles Editieren "wie mit Word". Ansonsten ist die Ablehnung bei den meisten vorprogrammiert
  2. Single Sign-On
    Eine Anbindung an die zentrale Benutzerverwaltung des Unternehmens (meist Microsofts Active Directory Service) muss auch im Wiki implementiert sein. Optimal eine wirkliche Single Sign-On Lösung, bei der die Anmeldung am Morgen den ganzen Tag für alle Anwendungen (auch das Wiki) gilt: Keine Anmeldung mehr. Als Kompromiss würde ich noch das erneute Anmelden bei einzelnen Anwendungen akzeptieren, wenn dafür die Credentials aus der zentralen Benutzerverwaltung (derselbe Benutzername und dasselbe Kennwort) herangezogen würden.
Beide Punkte sind umsetzbar. Es gibt inzwischen Wikis mit WYSIWYG-Editoren und oft gibt es zumindest ein LDAP-Modul. Mit gutem Willen sollte das kein technisches Problem, sondern ein Problem des Lösungsweges sein.

Muss-Kriterien (Organisation)

Viel wichtiger als die Technik ist jedoch die unterstützende Organisation 

  1. Wiki-Manager
    In Unternehmen gibt es viele Mitarbeiter, die das erste Mal mit Wikis arbeiten. Die sind vielleicht übermotiviert und "überschreiben" das Wiki. Gleichzeitig sind Mitarbeiter oft überfordert durch eine wachsende und gewissermassen "chaotische" Struktur. Deswegen muss es einige wenige Wiki-Manager geben, die lenkend in die Struktur des Wikis (oder der Wikis) eingreifend und Strukturen (Hierarchiche Übersichten, Portalseiten etc.) aufbauen.
  2. Unterstützung durch Top-Management
    "Wirklich? Oh nein, nicht schon wieder das!" wird manch einer stöhnen. Aber: Es ist und bleibt so, dass bei wichtigen und neuartigen Projekten das Top-Management (senior management) das Projekt offen und aktiv unterstützt. Auch hier der Verweis auf Content Management Projekte: Da war und ist es genauso.
  3. Marketing
    Marketing und Werbung für das "Produkt" und die "Dienstleistung" Wiki im eigenen Unternehmen. Vergesst ein eigenes Wiki mit FAQs, Tipps und Tricks darüber wie man ein Wiki benutzt - das liest sowieso keiner. Dann könntet Ihr das gleich ausdrucken und in den Shredder geben. Macht die Kollegen neugierig, provoziert sie. Tut so, als könne man nicht mehr ohne, weil es so viel Wichtiges, Hilfreiches und Nützliches im Wiki gibt. Dann ist es auch irgendwann so. Mögliche Hilfsmittel:
    • Kurze Flash-Intros auf der Intranet Startseite
    • Wöchentliche Email-Newsletter, die neue oder interessante Seiten / Artikel anreißen.
    • Roadshows - für mich ganz wichtig. Aufmerksamkeit erreichen und Kollegen in das persönliche Gespräch zerren Wink
    • ...
  4. Evangelisten
    Im englischsprachigen Raum hat sich der Begriff "Evangelist" auch für Personen durchgesetzt, die beim Start eines Internet- / Intranet-Vorhabens aktiv als Vorreiter das Projekt unterstützen. Aktiv heißt: Selbst damit (hier: Wiki) arbeiten, zeigen, dass es funktioniert. Immer wieder in Emails (sofern das im Unternehmen noch genutzt wird :-) auf Seiten im Wiki verweisen. Prädestiniert sind "Early Adopters", die auch ansonsten einen gewissen Stellenwert im Unternehmen haben: Entweder durch allgemeine Reputation oder - noch besser - weil sie im mittleren bis oberen Management angesiedelt sind. Nicht nur sollte am besten der CEO ein Blog haben, sondern er sollte Wiki-Beiträge verfassen und (helfend, nicht belehrend) korrigieren Smile

So, das war es für heute. Fragen? Applaus? Kritik? Verriß?

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Solutions-n - Grundregeln für den Einsatz eines Wikis im Intranet
Auszug: In Bezug auf den letzten Beitrag und seinen Kommentaren möchte ich auf einen guten Beitrag von Frank Hamm verweisen, der die elementaren Grundregeln für den Einsatz eines Wiki im Intranet zusammenfasst. Den Beitrag gibt es unter www.injelea.de. ...
Datum: 8. Juni 2007, 12:21
Kommentare

Einen interessanten Aspekt las ich unlängst:
In Unternehmen mit starken Hierarchiestrukturen kommt es mitunter zu kommunikativen Missverständnissen (um es mal vorsichtig auszudrücken), wenn Mitarbeiter Einträge von Vorgesetzten dann korrigieren.

Allgemein gilt das Motto: Ein Wiki macht noch lange kein IntraWeb2.0 und aus meinen Beobachtungen gibt es mit den gesamten 2.0 Anwendungen im internen Unternehmensbereich ein Hauptproblem:
Verständnis und Interesse - vor allem der Führungskräfte - fehlt komplett. Wenn etwas implementiert wird, dann nur technisch. Aktive Verwendung durch das Management, Usability und begleitende Maßnahmen? Fehlanzeige.

geschrieben von Gerald | 8. Juni 2007, 11:13

Ein Aspekt der immer wieder vergessen wird:
Zeit. Welcher Mitarbeiter hat die Zeit neben dem Tagesgeschäft noch solche Dinge zu erledigen. Welcher Kostenträger steht dafür? Wer bewertet diesen "Zeitverlust" als positiv. Es mag blöd klingen, aber eine Kostenstelle Internet/Intranet würde motivieren und/oder Transparenz schaffen.

geschrieben von mikel | 8. Juni 2007, 12:15

Zeit?

>>>>Welcher Mitarbeiter hat die Zeit neben dem Tagesgeschäft noch solche Dinge zu erledigen.

Ist Kommunikation in einem Unternehmen ein Luxusgut? Für mich nicht, es gehört ganz klar zu den Aufgaben eines Team- oder Projektleiters. IntraWeb 2.0 vereinfacht den Kommunikationsprozess, in dem innert 1 Minute / 3 Klick-Publikationsaufwand oder einfach via E-Mail News an bestimmte Gruppen versendet werden können. Die Argumentation "ich habe keine Zeit" finde ich deshalb nicht optimal.

geschrieben von Leila | 8. Juni 2007, 15:53

Zeit
Eine Kostenstelle wird nur begrenzt helfen, wenn die Kultur 2.0 nicht da ist. Die Kostenstelle ist die Organisationseinheit, als bliebe die Kostenart. Aber der Kostenstellenleiter wird seine Kostenarten so aufschlüsseln, dass er für seine operativen Ziele die beste Unterstützung erhält.

Eine Lösung wäre, in den Zielvereinbarungen bereits ab Bereichs / Abteilungsebene die aktive Mitarbeit der Mitarbeiter in "Communities" festzulegen.

Das bedeutet aber eben, dass die Kulturfrage im obersten Management bereits beantwortet ist.

Generell sehe ich aber das Problem der "Messbarkeit" des Erfolgs. Wenn direkte Messgrößen abgefordert werden, ist das schwierig, aber machbar. Aber auch hier eine Frage der Akzeptanz von oben: Wenn ich so Neumodiges wie Blogs, IM, etc. für Spielzeug halte, dann ist die Messgröße auch egal :-)

Führung ist keine fachliche Aufgabe, sondern zu großen Teilen eine kommunikatorische. Und meines Erachtens trifft das auf Zusammenarbeit genauso zu. Wenn ich also jeden Tag Stunden damit verbringe in sinnlosen Meetings herumzuhängen ...

geschrieben von Frank Hamm | 9. Juni 2007, 08:38

Weiterer Artikel im Blog

Hier ist noch ein Artikel genau zu dem Thema im INJELEA Blog Intranet 2.0 - Wikis in Unternehmen

geschrieben von Frank Hamm | 9. Juni 2007, 08:41